1897

Am 30. September wird Charlotte Wolff in Riesenburg, Westpreußen (heute Prabuty im Powiat Kwidzyński, Polen) als zweite Tochter jüdischer Eltern geboren. Ihr Vater war Getreidehändler und Kaufmann. Sie besuchte die Höhere Töchterschule in Riesenburg.

1906

zieht die Familie nach Danzig um. 1920 Abitur am Realgymnasium ( Viktoria-Schule) in Danzig. Beginn des Studiums der Medizin und Philosophie in Freiburg (Breisgau). Besucht Vorlesungen bei Edmund Husserl und Martin Heidegger.

1923-1928

Studium in Königsberg, Tübingen und Berlin. Beendet ihr Studium 1928 mit der Promotion zur Dr.med. (Thema: Die Fürsorge für die Familie im Rahmen der Schwangerenberatung der Ambulatorien des Verbandes der Berliner Krankenkassen).

1924

Gedichte von Charlotte Wolff erscheinen bei Rowohlt, Hrg. Franz Hessel, Vers und Prosa.

1926

Approbation und erste Anstellung als Ärztin im Rudolf-Virchow-Krankenhaus (heute Teil der Charité) in Berlin.

1928

Aktives Mitglied im Verein Sozialistischer Ärzte, Arbeit in der Schwangerenfürsorge und Mitarbeit beim Aufbau der ersten Klinik für Schwangerschaftsverhütung und Familienplanung in Deutschland.

1932-1941

Die antisemitische Stimmung in Deutschland nimmt zu, man überträgt ihr 1932 die Leitung des elektrophysikalischen Instituts in Neukölln, wo sie weniger exponiert war. In dieser Zeit beginnt sie, sich mit Chirologie zu befassen. Am Beginn steht ein Handlesekurs bei dem bekannten Psychochirologen Julius Spier (er starb 1942 im Amsterdamer Exil). In den folgenden Jahren entwickelt Charlotte Wolff eine wissenschaftliche Methode der Handdiagnose und führt wenig später im französischen und englischen Exil umfangreiche Forschungen und wissenschaftliche Vergleiche über die Hände von Menschen und Affen durch. 1936 erscheint in London Studies in Hand Reading mit einem Vorwort von Aldous Huxley, 1942 The Human Hand und 1945 A Psychology of Gesture. Für ihre Pionierleistungen auf diesem Gebiet erhält sie 1945 die Ehrenmitgliedschaft der British Psychological Society.

1933

Im April kurzzeitige Verhaftung duch die Gestapo ("Sie sind eine Frau in Männerkleidung und eine Spionin") und Durchsuchung ihrer Wohnung. Charlotte Wolff entschließt sich Deutschland zu verlassen, am 26. Mai 1933 emigriert sie nach Paris.

1933 -1951

Zusammen mit der Journalistin und Moderedakteurin Helen Hessel bezog sie eine Wohnung am Boulevard de Brune. Da Charlotte Wolff in Frankreich nicht als Ärztin tätig sein durfte, bestreitet sie ihren Lebensunterhalt mit der Charakterbestimmung durch Handanalyse zunächst bei Freunden, doch wächst der Kreis der Interessenten durch Mundpropaganda schnell an. Im Jahr 1936 flüchtete Charlotte Wolf - auf Veranlassung von Aldous und Maria Huxley - nach London, wo sie 1951 eine eigene Praxis eröffnete. Mit ihren wissenschaftlichen Veröffentlichungen erlangte sie schon bald in Fachkreisen Anerkennung. Im Jahr 1939 legt Charlotte Wolff ihre deutsche Staatsangehörigkeit ab. 1947 nimmt sie die britische Staatsangehörigkeit an. Oft bezeichnete sich Charlotte Wolff in Folge als internationale Jüdin mit einem britischen Paß. Nachdem sie 1950 das Manuskript zu ihrem Buch The Hand in Psychological Diagnosis fertiggestellt und ihre Forschungen auf diesem Gebiet abgeschlossen hat, wird sie endgültig als Ärztin in Großbritannien registriert und darf wieder praktizieren.

1952 - 1986

Ein ganz neuer Abschnitt ihres Lebens begann, als sie sich einem anderen Forschungsbereich zuwandte. Mit ihren Arbeiten über lesbische Liebe und Bisexualität erwarb sie sich internationale Anerkennung. Ihre Arbeiten über diese Themen waren von nachhaltiger Bedeutung für die Frauenbewegung in der Bundesrepublik. 1978 nahm sie eine Einladung des Berliner Frauenbuchladens «Labrys» und der Gruppe L. 74 nach Berlin an, um aus ihrem Roman Flickwerk (München 1977) und ihren autobiographischen Aufzeichnungen Innenwelt und Außenwelt (München 1971) vorzulesen. Es war das erste Wiedersehen mit Berlin nach der Emigration. Im Oktober 1979 kam sie ein zweites Mal (Berlin war wieder ein Ort auf meiner emotionalen Landkarte geworden. Es hat mir ein neues Leben gegeben) zu einer Lesung und einem Podiumsgespräch im Rahmen der Berliner Sommeruniversität, die in jenem Jahr unter dem Thema Lesbische Liebe und die Frauenbewegung stand. Die deutsche Ausgabe ihrer Autobiographie Augenblicke verändern uns mehr als die Zeit (engl. Original Hindsight, London 1980)erscheint 1982. Ihr letztes Werk wird ein Porträt des Berliner Sexualwissenschaftlers Hirschfeld, Magnus Hirschfeld: A Portrait of a Pioneer in Sexology, das sie kurz vor ihrem Tod fertigstellt und 1986 bei Quartet Books, London, New York erscheint.

1986

Am 12. September 1986 stirbt Charlotte Wolff in London.